Hände eines alten Menschen mit Centmünzen und kleinen Geldscheinenbilderstoeckchen / Adobe Stock

Berliner Stimme 6|2019: Grundrente – aus Respekt vor der Lebensleistung

Geringverdiener, die mindestens 35 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben, sollen im Alter finanziell bessergestellt werden – mit einer Grundrente, die rund zehn Prozent über der Grundsicherung liegt

512 Euro. Das ist die monatliche Rente, die ein Friseur oder eine Paketbotin bekommt, die 40 Jahre voll gearbeitet und Mindestlohn verdient haben. Für ein menschenwürdiges Leben im Alter reicht das nicht. Sie müssen aufs Amt und Grundsicherung beantragen. Das ist unwürdig. Wer jahrelang so hart gearbeitet hat, hat mehr verdient. Mehr Rente und mehr Respekt vor der Lebensleistung. Darum geht es bei der Grundrente.

Mit der Grundrente würden der Friseur oder die Paketbotin eine Monatsrente von 961 Euro bekommen. Von der Grundrente würden rund drei Millionen Menschen profitieren – ein Großteil davon Frauen, Alleinerziehende und prekär Beschäftigte. Sie müssten keine Grundsicherung beantragen.

Viele empfinden im Alter den Weg aufs Amt als entwürdigend. Völlig zu Recht. Damit ihnen das erspart bleibt, darf es keine Bedürftigkeitsprüfung geben. Denn die Grundrente verleiht keinen Respekt, wenn man sich für sie komplett nackt machen und jeden mühsam ersparten Cent offenlegen muss.

Immer mehr Menschen droht Altersarmut. Bis 2039 könnte fast jede*r fünfte Rentner*in betroffen sein – Frauen in besonderem Maße. Denn der gender pension gap beträgt über 50 %. Das heißt, das Alterssicherungseinkommen von Frauen ist nicht einmal halb so groß wie das von Männern. Die Grundrente könnte diese Effekte abmildern und Millionen Menschen vor Altersarmut schützen. Deswegen muss die Grundrente kommen – besser heute als morgen.

Gleichzeitig wissen wir: Die Grundrente allein wird nicht ausreichen. Sie kann das Armutsrisiko deutlich senken, aber nicht vollständig beseitigen. Gute Arbeit = Gute Rente. Das ist die Lösung. Doch dahinter steckt viel: faire, tarifgebundene Löhne, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, keine sachgrundlosen Befristungen, Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Realität sieht noch anders aus: Alleinerziehende haben Schwierigkeiten, sich um ihr Kind zu kümmern und arbeiten zu gehen. Menschen sitzen in der Teilzeitfalle, nachdem sie im Beruf kürzer getreten sind, etwa um ihre Eltern zu pflegen. Oder im Fall des Friseurs und der Paketbotin: Sie arbeiten 40 Jahre lang Vollzeit – verdienen aber nur den Mindestlohn.

Die Grundrente ist also ein wichtiger Baustein für armutsfeste Renten. Sie kann und darf aber nur der Anfang sein. Denn die Ursachen für Altersarmut liegen tiefer und beginnen früher. Neben der Grundrente brauchen wir also noch weitere Maßnahmen, um allen ein menschenwürdiges Leben im Alter zu ermöglichen.

Autoreninfo

Eva Högl

Vorsitzende SPD Mitte

Direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für Berlin-Mitte, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzende der SPD Berlin-Mitte.

Eva Högl