Jakob, Anselm und Konrad MattesSPD Berlin/Sebastian Thomas

Im Lockdown: Lehrkraft und Eltern in einer Person

Durch die Corona-Pandemie ist das öffentliche Leben in Berlin nicht zum ersten Mal weitestgehend heruntergefahren, was für Familien bedeutet: Homeoffice und Homeschooling. Anselm Mattes und seine Freundin Bettina Keller arbeiten beide in Vollzeit – und müssen ihre Kinder bei Schulaufgaben unterstützen.

Im Hause Mattes und Keller gibt es an diesem Tag Ratatouille, Reis und Schupfnudeln zum Mittag – vorgekocht. „In der Pandemie haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, einmal die Woche groß einkaufen zu gehen und das Mittagessen für jeden Tag bereits am Wochenende vorzubereiten“, erklärt Anselm Mattes. So wolle die Familie viele Kontakte vermeiden.

Seine beiden Söhne Jakob und Konrad decken derweil den Tisch. Normalerweise wären sie um diese Zeit in der Schule: Jakob in der sechsten, Konrad in der vierten Klasse. Doch durch die Pandemie ist das öffentliche Leben in Berlin nicht zum ersten Mal weitestgehend heruntergefahren, was für Familien bedeutet: Homeoffice und Homeschooling.

Anselm Mattes und seine Freundin Bettina Keller arbeiten beide in Vollzeit – sie als Professorin an der Freien Universität Berlin und er bei einem Beratungsunternehmen. „Vor knapp einem Jahr wurden unsere Jobs quasi über Nacht fast vollständig auf Videokonferenzen umgestellt. Im Prinzip können wir beide gut von zuhause aus arbeiten.“, erklärt der 40-Jährige.

Nur Bettina Keller müsse für manche Sachen noch zur Universität fahren. Bei der Kinderbetreuung fanden beide auch schnell eine Lösung: „Am Anfang haben wir uns tageweise bei der Schulunterstützung unserer Kinder abgewechselt“, erzählt Anselm Mattes. Die Umstellung auf Homeschooling war jedoch, wie er sagt, mühsam:

„Wir bekamen von fünf bis sechs Lehrkräften für zwei Kinder Aufgaben zugeschickt – auf unterschiedlichen Kanälen zu verschiedenen Zeitpunkten mit wechselnden Fristen.“ Das habe viel Zeit und Nerven gekostet, auch weil ständig seine Kinder in der Tür standen und nicht weiterwussten. „Es war anstrengend, neben dem eigentlichen Beruf Aushilfslehrer zu sein“, sagt er.

Unterstützung erhielten sie zu diesem Zeitpunkt von Bettinas Vater: Er übernahm mehrmals in der Woche den Matheunterricht – per Videokonferenz aus Stuttgart. „Die Heimbeschulung funktioniert seit dem erneuten Schließen der Schulen Ende 2020 etwas besser als am Anfang“, erzählt Anselm Mattes.

„Die meisten Lehrkräfte sind besser organisiert, es gibt klarer strukturierte Wochenpläne, teils regelmäßige Videokonferenzen, festere Rückmeldekanäle und Fristen.“ Mittlerweile bekommen seine Kinder die Schularbeiten auch weitestgehend allein hin. Das Mittagessen ist inzwischen vorbei: Anselm Mattes erwartet die nächste Videokonferenz, seine Kinder lösen währenddessen weiter Schulaufgaben.

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Autor:in

Sebastian Thomas

Redakteur der BERLINER STIMME, des vorwärtsBERLIN und des Berliner Stadtblatts