Franziska Giffey (r.), Berliner SPD-Landesvorsitzende, und ihre Stellvertreterin Iris SprangerMarkus Frenzel

Frauentag als Berliner Feiertag: „Das schnellste Gesetz in Berlin“

2019 wurde der Internationale Frauentag ein Feiertag in Berlin. Initiatorin des Gesetzes war damals Iris Spranger, stellvertretende SPD-Landesvorsitzende. Sie bekam große Unterstützung. Im Interview mit der BERLINER STIMME erinnert sie sich zurück. Sie ist stolz, sagt aber auch: Es gibt noch viel zu tun.

BERLINER STIMME: Liebe Iris, wenn du an die Abstimmung im Abgeordnetenhaus zum Frauentag als Feiertag am 24. Januar vor zwei Jahren zurückdenkst: Welche Erinnerungen verbindest du damit?

Iris Spranger: Ich erinnere mich besonders gern an die zweite Lesung zum Feiertagsgesetz im Abgeordnetenhaus. Viele der unterstützenden Frauen haben sich eigens für den Tag der Abstimmung Zeit frei geschaufelt und saßen zu meiner Rede auf der Tribüne. Es war ein sehr emotionaler Moment für mich, sie vom Redepult aus zu sehen.

Es war das schnellste Gesetz in Berlin. Das schafft man ja nicht alleine. Und besonders stolz war ich dann am 8. März selbst. Als wir mit tausenden Frauen auf dem Alexanderplatz zusammen zur Demo starteten. Von meiner spontanen Idee, den Frauentag in Berlin als gesetzlichen Feiertag einzuführen bis zu diesem Moment, waren keine neun Monate vergangen. Und natürlich war es schön zu wissen, dass man etwas geschaffen hat, das bleibt.

Nachdem der Frauentag zum neuen Berliner Feiertag wurde, sagst du, dass der Kampf für Frauenrechte noch lange nicht vorbei ist. Was gibt es in deinen Augen noch zu tun?

Wo soll ich da anfangen und wo aufhören? Es ist ja so viel, dass es eben noch immer diesen Tag benötigt. An Jahresmottos wird es jedenfalls lange Zeit nicht mangeln. Derzeit am präsentesten sind meiner Meinung nach die Fragen nach gerechter Bezahlung, Verteilung und Anerkennung von Care-Arbeit in.

Sowohl in den entsprechenden Berufen als auch in der familiär geleisteten Arbeit ist hier ein großes Ungleichgewicht. Das wissen wir nicht erst seit der Pandemie, aber es wird seitdem noch verschärft. Auch das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist aktueller denn je.

Längeres und näheres Zusammensein bedeutet für erschreckend Viele nicht Langeweile als größte Sorge, wie oftmals behauptet wird, sondern blanke Angst vor den Launen des Partners. Und wir wollen Parität in den Parlamenten. Wir als SPD sind überzeugt davon, dass all die Probleme, die eben besonders für Frauen wichtig sind, auf Dauer nur gelöst werden können, wenn diese durch Frauen in den Parlamenten angegangen werden können.

Dabei geht es um Repräsentanz, Deutungshoheit und Prioritätensetzung. Und dazu braucht es mehr als Einzelkämpferinnen in den Fraktionen. Deswegen setzen wir uns derzeit für ein Paritätsgesetz in Berlin ein.

In der derzeitigen Pandemie-Lage: Wie begehst du den diesjährigen Frauentag?

Aus Respekt vor den Fach- und Pflegekräften der medizinischen und sozialen Einrichtungen, wird die Berliner SPD in diesem Jahr auf ihre traditionelle Rosenverteilung verzichten und auch zu keinen Zusammenkünften, wie Demonstrationen aufrufen. Und natürlich werde auch ich weiterhin zu Hause bleiben.

Das heißt aber nicht, dass ich den Tag nicht den Frauenthemen widme! In Videokonferenzen werde ich mich in verschiedenen Runden mit Vertreterinnen von Frauenorganisationen austauschen und bei ihnen nach ihren aktuellen Anliegen hören.

Schon zu Ende? Das muss nicht sein. Hier geht es weiter mit interessanten Beiträgen aus der BERLINER STIMME.

Autor:in

Sebastian Thomas

Redakteur der BERLINER STIMME, des vorwärtsBERLIN und des Berliner Stadtblatts