Aufkleber der Jusos BerlinSPD Berlin/Arne Zillmer

Berliner Stimme 1|2020: Es geht ums Ganze

Schulschwänzer, keine Lebenserfahrung, Markenklamotten aus Drittländern: Dies sind nur ein paar Vorwürfe, die von Älteren gegenüber den Anhängerinnen und Anhänger der Klimabewegung »Fridays for Future« erhoben werden. Für Jonas Littmann, stellvertretender Landeschef der Jusos Berlin, ist der Kampf für mehr Klimaschutz jedoch kein Generationenkonflikt.

Wie oft wurde in der Vergangenheit über eine angeblich unpolitische Gene-ration geschimpft. Nur am Handy, Politik verdrossen und oberflächlich – das waren nur einige der Vorwürfe. Bei uns Jusos konnten wir jedoch schon immer sehen, wie viele junge Menschen Lust auf Politik haben. Durch die Bewegung Fridays for Future (FfF) wird das Ausmaß des Gestaltungswillens, aber auch des Ärgers über die geringe Priorität von Klimaschutz und die verschleppten Entscheidungen der vergangenen Jahre voll und ganz sichtbar.

Das Warten auf technische Innovationen wird nicht reichen, um die Bedrohung unseres Planeten zu verhindern.

Nicht ohne Grund ist ein entscheidender Spruch auf den Demos „System change, not climate change!“, also Systemwandel statt Klimawandel. Das bloße Warten auf technische Innovationen wird nicht reichen, um die existentielle Bedrohung unseres Planeten wirksam zu verhindern. Auch wir Jusos gehen zu den wöchentlichen Demonstrationen.

Jonas Littmann
Jonas Littmann, stellvertretender Landeschef der Jusos Berlin

Wir finden, dass eine grundlegende sozial-ökologische Transformation stattfinden muss, um unser Klima, die Artenvielfalt und das Zuhause vieler Menschen zu schützen. Hierbei geht es mitnichten um einen Generationenkonflikt! Meine Großeltern beispielsweise hatten durch ihr Leben in der DDR früher nicht im Ansatz die Möglichkeiten wie ich, die Welt zu sehen.

Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen.

Gleichzeitig nützt es genauso wenig, nicht perfekt nachhaltiges Verhalten von jungen Demonstrierenden zu skandalisieren. Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen. Letztendlich geht es aktuell doch vielen Menschen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft – darum, dass sie von Politik und Gesellschaft mehr Mut erwarten.

Mut, sich auch mit globalen Multikonzernen anzulegen, die keine Steuern zahlen, die Staaten ihre Regeln diktieren wollen und ihr Geld mit dem Ausbeuten der Umwelt verdienen. Wenn diese Unternehmen Arbeiterinnen und Arbeitnehmer in Südostasien in von Chemikalien belasteten Fabriken unsere Schuhe produzieren lassen, dann muss Politik diese Praxis beenden und die Verantwortung nicht ausschließlich auf die Konsumentinnen und Konsumenten abwälzen.

Haben wir also den Mut, auch als Berliner SPD, groß zu denken und grundlegend zu handeln.

Warum führen wir zum Beispiel nicht ein konsequent sozial-ökologisches Steuersystem ein? Warum setzen wir in vielen Bereichen, wie bei der Lebensmittelindustrie, immer noch auf freiwillige Lösungen? Viel stärker als bislang muss die SPD dabei mit zivilgesellschaftlichen Bewegungen wie FfF zusammenarbeiten.

Nur so werden wir unsere Ideen und politische Kraft bündeln können, um einen umfassenden Wandel anzugehen. Ich will, dass meine Generation in der Sozialdemokratie ihre politischen Hoffnungen wiederfinden kann. Haben wir also den Mut, auch als Berliner SPD, groß zu denken und grundlegend zu handeln.