Männer und sogenannte Frauenberufe: Berliner Männer sind sehr willkommen

Nicht nur in der Hauptstadt ist der Anteil von Männern in sogenannten “Frauenberufen” zu gering. Dabei sind die Jobs zukunftssicher und krisenfest.

Sebastian hat Seltenheitswert: Der 41-jährige Familienvater aus Berlin-Friedenau ist Heilpädagoge; er arbeitet in einer Kindertagesstätte, wo behinderte und nicht-behinderte Vorschulkinder gemeinsam betreut werden. Im zwölfköpfigen Team „bin ich der einzige Mann”, sagt Sebastian. Auch in anderen Gruppen sei das Verhältnis ähnlich.

Sebastians private Berichte entsprechen den amtlichen Statistiken. In Deutschland arbeiten rund 654.000 Beschäftigte als pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten, davon 44.000 Männer – sieben Prozent. In Berlin sind von den knapp 65.000 pädagogischen Fachleuten, die in der „Frühen Bildung” arbeiten, zwölf Prozent männlich.

Ähnlich sieht es in anderen Berufen aus, die angeblich typische Frauenberufe sind. Nur jedes zehnte Uni-Examen für Grundschullehrer wird in Berlin von Männern abgelegt, mit leicht abnehmender Tendenz. Auch der Männeranteil in nichtärztlichen medizinischen Berufen (Alten-, Klinikpflege) ist mit knapp 20 Prozent leicht rückläufig.

Dabei sind die Berufschancen gut. Jobs in Pädagogik, Pflege und Gesundheit sind fast so sicher wie das Amen in der Kirche. “In unseren Teams und Gruppen sind wir froh, wenn sich Männer bewerben”, sagt Heilpädagoge Sebastian. In 20 Berufsjahren hat er es nie anders erlebt. Männer sind willkommen. Aber männliche Bewerber sind selten.

Warum? Vielleicht ist es eine Mischung aus Rollenbildern, die das Soziale und Pädagogische mit angeblicher „Frauenarbeit” verbinden, das Technische und Handwerkliche mit „Männerjobs”. Hinzukommen Vorstellungen von Aufstiegschancen und Kritik an den Gehältern: Der durchschnittliche Bruttoverdienst eines Berliner Erziehers beträgt 3.383 Euro.

Auch in der Wissenschaft ist unbestritten, dass männliche Sichtweisen wichtig sind. Aber: “Mehr Chancengleichheit bedeutet nicht, dass sich Frauen für klassische Männerberufe entscheiden – oder umgekehrt”, so fasst der Bonner Wirtschaftsprofessor Armin Falk eine repräsentative Studie zusammen. Es gibt noch also Einiges zu tun, bis Männer wie Sebastian keinen Seltenheitswert mehr haben.

Der „Boys’ Day“ findet voraussichtlich am 22. April statt. Am „Boys’ Day“ lernen Jungen Berufe aus den Bereichen Gesundheit/Pflege, Soziales, Erziehung/Bildung und Dienstleistung kennen.

Schon zu Ende? Das muss nicht sein. Hier geht es weiter mit interessanten Beiträgen aus der BERLINER STIMME.

Autor:in

Ulrich Schulte-Döinghaus

Redakteur des Berliner Stadtblatts