Der erste seiner Art: Berliner Sozial­demo­krat:innen gründen säkularen und humanis­tischen Arbeitskreis

Anfang September dieses Jahres gründeten Berliner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokarten im Willy-Brandt-Haus den Arbeitskreis (AK) „Säkulare und Humanistische Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“ – dies ist bundesweit eine Premiere. Bereits 2019 hatten die Delegierten des Landesparteitags entsprechende Beschlüsse zur Gründung gefasst, die nun umgesetzt wurden. Jedoch musste die Gründung aufgrund der Corona-Pandemie mehrmals verschoben werden.

Fast dreißig Mitglieder der SPD Berlin waren der Einladung in das Willy-Brandt-Haus gefolgt. Iris Spranger, stellvertretende Landesvorsitzende, hob in ihrem Grußwort ihre aktive Rolle bereits im Vorfeld der Gründung des AK hervor. Deshalb sei sie auch sofort bereit gewesen, als Mitglied des geschäftsführenden Berliner Landesvorstandes den AK als aktives Mitglied zu betreuen.

Mark Rackles, ebenfalls einer der Initiatoren und langjähriger Staatssekretär, betonte in seiner Rede, dass man jetzt nicht mehr von „zwei Strömungen unter einem Dach“ sprechen müsse. Es sei nunmehr ein „einzige gemeinsame und starke Strömung“. Glückwünsche kamen auch vom SPD-Bundestagsabgeordneten Swen Schulz und dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert.

Säkulare und humanistische Positionen stärken

Wie der Co-Vorsitzende des Arbeitskreises Hans-Ulrich Bieler betont, soll mit der Arbeit des Arbeitskreises der „weltanschauliche Pluralismus der Partei gestärkt werden“. Der neue Arbeitskreis möchte „Brücken bauen zwischen den Zielen der deutschen Sozialdemokratie und den Bürgerinnen und Bürgern, die sich an säkularen und humanistischen Werten orientieren“. Dies sei in Berlin mit seiner konfessionsfreien Mehrheitsgesellschaft von besonderer Bedeutung.

Angesichts der großen ethischen Debatten etwa zur Sterbehilfe oder zum Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche gelte es, säkulare und humanistische Positionen gerade auch innerhalb der SPD zu stärken. Die Berliner Initiative verfolge keinen Laizismus nach französischem Vorbild.

Berliner Initiative mit bundesweiter Signalwirkung

Sie betone jedoch das „verfassungsgemäße Primat der Trennung von Staat und Kirche“ bei gleichzeitiger Akzeptanz von bewährten Formen der Kooperation. Dazu gehöre auch die Forderung nach stärkerer Gleichbehandlung von Weltanschauungsgemeinschaften wie dem Humanistischen Verband.

Zugleich will der Arbeitskreis aber auch zum „innerparteilichen Dialog und zur Verständigung mit den Genossinnen und Genossen beitragen, die ihr sozialdemokratisches Engagement auf Basis von christlichen, jüdischen, islamischen oder anderen Lebensauffassungen und Wertvorstellungen entwickeln“. Dies sei angesichts der stärker werdenden Vorurteile gerade gegenüber Juden und Muslimen umso wichtiger.

Beim Kampf gegen rechts und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien religiöse oder weltanschauliche Unterschiede zurückzustellen. Dem Bundesparteivorstand liegen übrigens zahlreiche vergleichbare Anträge für die Zulassung von säkularen und humanistischen Arbeitskreisen aus dem ganzen Bundesgebiet vor. Die Berliner Initiative dürfte daher auch eine Signalwirkung auf Bundesebene haben.

Der Vorstand des Arbeitskreises setzt sich wie folgt zusammen:

Vorsitz: Dr. Felicitas Tesch (zugleich stellvertretende Präsidentin des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg und Mitglied der BVV Charlotttenburg-Wilmersdorf) und Dr. Ulrich Bieler (ehemaliger Leiter der Berliner Landesvertretung von Rheinland-Pfalz)

stellvertretene Vorsitzende: Dr. Bruno Osuch (eh. Präsident des Humanistischen Verbandes) und Franziska Becker (MdA, Vorsitzende des Hauptausschusses)

Schriftführung:  Philip Schunke (Podcast-Moderator)

Beisitzer:innen: Dr. Maja Lasic (MdA, Bildungspolitische Sprecherin der Fraktion), Mark Rackles (eh. Staatssekretär), Barbara Scheffer (Fachausschuss Kulturpolitik) und Wolfgang Hecht (BVV Neukölln).