Geschichte: Titelseiten von historischen Jahresberichten der SPD Berlin

Geschichte der SPD Berlin

Die Geschichte der Berliner SPD ist eine Geschichte von klangvollen Namen, die Geschichte des gemeinsamen politischen Kampfes für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Sie lässt sich analog zur jüngeren Geschichte Berlins erzählen und zeigt dabei, dass die Berliner SPD über die Jahrzehnte auch immer mit im Mittelpunkt stand, wenn die Stadt an Scheidewegen stand, wenn über ihre Zukunft entschieden werden musste.

Die SPD ging aus dem 1863 von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) hervor. Sie überdauerte Bismarcks Sozialistengesetz und legte unter der Führung von Persönlichkeiten wie August Bebel, Clara Zetkin oder Eduard Bernstein die intellektuelle Grundlage für die Abschaffung der Klassenherrschaft, den Aufstieg der Gewerkschaften zu Massenorganisationen sowie für die Erlangung von Arbeiterrechten durch die Arbeiterbewegung.

Nach der Revolution 1918 etabliert sich die SPD in der Weimarer Republik mit einem klaren Bekenntnis zur demokratischen Republik (Görlitzer Parteitag 1921) und ist mit Reichspräsident Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann, der vom Reichstag aus die Republik proklamierte, auch personell eine prägende Kraft. Marie Juchacz hielt am 19. Februar 1919 als erste Frau eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung.

Mit der Machtübernahme Hitlers 1933 beginnt die dunkelste Stunde der deutschen Geschichte und auch eine dunkle Zeit für die Sozialdemokratie. Unzählige Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten werden verfolgt, in die Konzentrationslager der Nazis deportiert. Viele überleben nur im Exil. Otto Wels hält 1933 die letzte freie Reichstagsrede in der Debatte zum Ermächtigungsgesetz. Seine Worte bleiben bis heute Ausdruck einer der Sternstunden der SPD: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Berlin in vier Besatzungszonen unterteilt. Die SPD Berlin wurde am 15. Juni 1945 wieder gegründet. In der sowjetischen Besatzungszone wurde die SPD 1946 mit der KPD zur SED zwangsvereinigt. Während der Berlin-Blockade setzte sich die Berliner SPD für die Freiheit West-Berlins ein. Beeindruckendes Zeugnis hierfür ist die Rede Ernst Reuters vor dem Reichstagsgebäude am 9. September 1948, bei der etwa 300.000 Menschen vor Ort seinen berühmten Worten zujubelten: „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt.“

Das geteilte Berlin war „Frontstadt des Kalten Krieges“. Seit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 waren die Berlinerinnen und Berliner in beiden Teilen der Stadt einer nahezu unüberwindbaren Grenze ausgesetzt, die Familien trennte und Menschen das Leben kostete, die in ihrem Freiheitswillen die Flucht aus der DDR versuchten. Zu dieser Zeit war der spätere Bundeskanzler Willy Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin. Er sprach sich entschieden gegen die Teilung der Stadt aus und ermöglichte mit dem Passierscheinabkommen 1963 die ersten Verwandtschaftsbesuche zwischen Ost und West seit dem Bau der Mauer. Später sollte Willy Brandt mit seiner Entspannungspolitik, dem „Kniefall von Warschau“ und seinem Einsatz für die Aussöhnung mit den europäischen Nachbarn, einen erheblichen Anteil an den Prozessen entwickeln, die in ihrem Verlauf zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung führen sollten. 1971 wurde Willy Brandt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer nach wochenlangen mutigen Demonstrationen der Bürgerinnen und Bürger in der DDR. Nur vier Tage zuvor, am 5. November 1989 wurde in der Sophienkirche die Berliner SDP gegründet. Im September 1990 vereinigten sich SPD und SDP auf dem Berliner Parteitag. Persönlichkeiten wie Christine Bergmann und Wolfgang Thierse prägten in der Folge auch die Berliner Sozialdemokratie. Regierender Bürgermeister zur Zeit des Mauerfalls war Walter Momper, der als erster einen rot-grünen Senat bildete. Diesem Senat gehörten auch erstmals mehr Frauen als Männer an.

Nach dem Scheitern der Großen Koalition in Berlin als Folge des Berliner Bankenskandals wurde am 16. Juni 2001 Klaus Wowereit, bis zu diesem Zeitpunkt Fraktionsvorsitzende der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, zum neuen Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. Wowereit, der bis Dezember 2014 Regierender Bürgermeister blieb, prägte die Außenwirkung Berlins hin zu einer offenen und international angesagten Metropole. Sein auf dem Landesparteitag am 10. Juni 2001 getätigter Ausspruch „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!“ war das erste öffentliche Outing eines deutschen Spitzenpolitikers und wurde als Befreiungsschlag wahrgenommen.

Die SPD Berlin hat eine bewegte Geschichte. Auf mehr als 150 Jahre blickt die Sozialdemokratie inzwischen insgesamt zurück. Dabei war sie stets Vorreiterin für gesellschaftlichen Fortschritt und eine starke Demokratie. Auch in Zukunft kämpft die Berliner SPD weiter für diese Stadt, in der Geschichte wie kaum sonst sichtbar und spürbar ist.

Geschichte: Die Landes­vorsitzenden der SPD Berlin seit 1945

1945-1946Hermann Harnisch
1946-1958Franz Neumann
1958-1963Willy Brandt
1963-1968Kurt Mattick
1968-1977Klaus Schütz
1977-1979Gerd Löffler
1979-1981Dietrich Stobbe
1981Peter Glotz
1981-1985Peter Ulrich
1985-1986Jürgen Egert
1986-1992Walter Momper
Nov. 1989 –
Sep. 1990
Anne Kathrin Pauk
(Bezirksvorsitzende Berlin-Ost)
1992-1994Ditmar Staffelt
1994-1999Detlef Dzembritzki
1999-2004Peter Strieder
2004-2012Michael Müller
2012-2016Jan Stöß
seit 2016Michael Müller