Berlin zum Weltzentrum der Frauengesundheit machen

Weltweit steht Frauengesundheitsforschung noch am Anfang der Entwicklung. Wir wollen vorangehen und Berlin zum Weltzentrum für Frauengesundheit machen – in der Forschung, in der Entwicklung von Therapien und Produkten, in der Anwendung medizinischer Innovationen, und in der besten Versorgung für Frauen in unseren Krankenhäusern.

Medizin als Wissenschaft wurde über Jahrhunderte und auch heute hauptsächlich von Männern für einen männlichen Durchschnitts-Patienten entwickelt. Die Medizin, die von diesem Standard-Patienten ausgeht, ist jedoch für Frauen und eine hohe Zahl von anderen Personen nicht automatisch die passende. Frauenkörper und damit Frauengesundheit funktionieren anders. Das, was für Männer hilft und richtig ist, ist nicht eins zu eins übertragbar. Weder bei Ursachen, Symptomen und Verlauf einer Krankheit noch bei der Dosierung von Medikamenten. Hier braucht es einen anderen Blickwinkel. Für uns ist klar: Das Geschlecht darf nicht über die Gesundheitschancen entscheiden. Wir brauchen eine geschlechtsspezifische und individualisierte Medizin für alle Menschen. Das soll zum gelebten Alltag in unseren Berliner Krankenhäusern werden.

Gleichzeitig liegt in der Förderung der Gesundheit von Frauen auch ein großes Potenzial für den Medizinstandort Berlin. Denn wenn wir die Besten in der Entwicklung der Frauengesundheit werden, können wir uns eine Stellung als Weltmarktführerin für Pharmaprodukte und Medizintechnologie entwickeln für die Hälfte der gesamten Menschheit positionieren. Berlin verfügt mit der Charité über eine Universitätsmedizin, die zu den TOP10 weltweit zählt, und gemeinsam mit Vivantes über eine breit aufgestellte medizinische Versorgung in Landeshand. Zusammen mit Tausenden Pharma-, Medtech-, und Biotech-Unternehmen sowie Deutschlands größter Start-up Landschaft beheimatet Berlin einen der leistungsstärksten Gesundheitsstandorte Europas. Diese Kraft wollen wir gezielt nutzen, um unsere Stadt zur Vorreiterin für Frauengesundheit zu machen – und den Wirtschaftsstandort Berlin gleichzeitig zum Weltmarktführer auf diesem Gebiet.

Wir fangen nicht bei Null an. Berlin ist vorangegangen: Mit der Gründung des Institutes für Geschlechterforschung in der Medizin an der Charité 2003 und der Berücksichtigung geschlechtersensibler Inhalte an der Charité im Studium. Von einer flächendeckenden und institutionalisierten Integration in das Medizinstudium ist Deutschland aber noch weit entfernt. Es ist höchste Zeit, diesem Thema die Aufmerksamkeit zu geben, die es aufgrund seiner gesellschaftlichen, gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Relevanz verdient und damit für eine gerechte und gute Gesundheitsversorgung von Frauen zu sorgen.

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Mehr Selbstbestimmung, mehr Innovation, mehr Wirtschaftskraft

  1. Wir begrüßen und unterstützen den Vorstoß der Ärztekammer Berlin, Gendermedizin zum Teil des Medizinstudiums und der Weiterbildung unserer Ärztinnen und Ärzte zu machen und sie flächendeckend zur präventiven Medizin, Sensibilität für geschlechtsspezifische und individuelle Krankheitsverläufe in Medizin und Forschung und reproduktiver Gesundheit fortbilden. Die Biologie der Frau, ihre Gesundheit und deren Erhaltung ist fundamental anders als die des Mannes. Nur wenn wir das wissen und damit arbeiten, können wir für alle Geschlechter gute, personalisierte Medizin machen.
  2. Frauenspezifische Gendermedizin, Herz-Kreislauf-Medizin, Krebserkrankungen und Krankheiten wie Endometriose, Adenomyose und hormonelle Entwicklungen wie Menopause oder Pre-Menopause müssen mehr gesellschaftliche Akzeptanz und Bekanntheit sowie größere Aufmerksamkeit in der Forschung bekommen. Deswegen machen wir diese Felder zu Schwerpunkten der Berliner Forschungsstrategie. Wir schaffen spezialisierte Professuren für Frauengesundheit, die mit relevanten Forschungsbudgets ausgestattet werden und fördern somit Innovationen. Mit einem eigenen Institut für Frauengesundheit mit medizinischem und technologischem Know-How wollen wir auch in der Medizintechnik für Frauen führend werden und die erforschten Potenziale direkt durch enge Kooperation mit Berliner Unternehmen und der Start-up Szene hier vor Ort in Anwendung und Wertschöpfung überführen.
  3. Gleichzeitig stärken wir reproduktive Medizin und Geburtshilfe. Unser Ziel ist die 1∶1-Betreuung im Kreißsaal. Wir werden Hebammenarbeit weiter finanzieren und strukturelle Rahmenbedingungen verbessern. Dazu gehören der Ausbau der Hebammenstudiengänge, mehr Praxisplätze und ein Master-Studiengang Geburtshilfe. Dazu stärken wir geburtshilfliche Verflechtungen im Alltag und die Idee von Geburtshilfe auch außerhalb der Krankenhäuser, zum Beispiel durch die bessere Finanzierung und den Ausbau von Babylotsinnen.
  4. Für den sozialen und ökonomischen Erfolg in der Frauengesundheit überwinden wir konservative Denk- und Handlungsverbote. Wir erhalten die vielen Beratungsstellen in Berlin, die die Schwangerschaftskonfliktberatung durchführen. Gleichzeitig fehlt es an Orten, die ideologiefrei Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Deswegen wollen wir darauf hinwirken, dass Schwangerschaftsabbrüche in allen Krankenhäusern mit gynäkologischen Stationen möglich sind. Medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche sollten auch dezentral, z. B. durch Hausärztinnen und -ärzte begleitet werden können. In der Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sollen Schwangerschaftsabbrüche fester Bestandteil sein. Wir werden uns aus diesem Grund dafür einsetzen, dass dieser Punkt im Rahmen der Änderung der Ärztlichen Approbationsordnung, für die der Bund zuständig ist, aufgenommen wird.
  5. Ein Großteil der Gewaltopfer sind Frauen, insbesondere bei sexualisierter und häuslicher Gewalt. Wir bauen die vertrauliche Spurensicherung aus, so dass alle Notfallkrankenhäuser mit Fachrichtung Gynäkologie diese durchführen können und erwarten, dass alle Berliner Krankenhäuser Opfer sexualisierter Gewalt nach einem einheitlichen Behandlungsleitfaden behandelt, der auch die psychologische Nachsorge umfasst. Wir stärken zudem die Täterprävention.

Mit einem strategischen Fokus auf das Thema Frauengesundheit, unterstreichen wir das Selbstverständnis und den Anspruch von Berlin als Stadt der Frauen. Diese Idee und die praktische Umsetzung wollen wir auch mittels Städtediplomatie weltweit verbreiten und Frauengesundheit als Thema in unseren Städtepartnerschaften und internationalen Netzwerken wie Metropolis oder Urban 20 einbringen.

Berlin wird wieder die Medizin revolutionieren. Wieder Berlin.

Berlin zum Weltzentrum der Frauengesundheit machen 5Anne Hufnagl

„Wir wollen einen gleichen und gerechten Zugang zur Medizin für alle und den Gender Health Gap endlich schließen. Unser Ziel ist, dass geschlechtersensible Medizin endlich im Alltag ankommt. Gleichzeitig stärken wir die Versorgung rund um Schwangerschaft und Geburt und schaffen auch mehr Selbstbestimmung, indem wir den Zugang zu Beratung und Schwangerschaftsabbrüchen flächendeckend und ideologiefrei gewährleisten. Auch ein besserer Schutz von Frauen vor Gewalt ist Teil unseres Ansatzes, indem wir die medizinische Versorgung, Spurensicherung und Nachsorge in allen Berliner Krankenhäusern verbindlich ausbauen wollen.“ 

Bettina König
Steffen KrachAnne Hufnagl

„Frauengesundheit wurde viel zu lange vernachlässigt. Das müssen wir ändern und genau hier ansetzen, um medizinischen Fortschritt und gesundheitliche Gerechtigkeit zu verbinden. Wir wollen Berlin zum weltweiten Zentrum für Forschung, Innovation und Versorgung für Frauengesundheit machen. Passgenaue Therapien und Medikamente ‘Made in Berlin’ für Frauen in der ganzen Welt, das ist unser Anspruch.“

Steffen Krach
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