Raed Saleh und Werner ratajczakSPD Berlin/Sebastian Thomas

Ein ganzes Leben für die SPD: Landeschef Raed Saleh trifft auf 73 Jahre Mitgliedschaft

Er ist ein Urgestein: Werner Ratajczak. Der 93-Jährige ist seit 73 Jahren in der SPD – eine der längsten Mitgliedschaften im Berliner Landesverband. SPD-Landesvorsitzender Raed Saleh traf sich mit ihm auf ein Gespräch im Kurt-Schumacher-Haus.

Beide kennen sich gut: „Raed ist oft Gast bei Treffen der AG 60plus da“, sagt Werner Ratajczak. Der 93-Jährige, so sagt es Raed Saleh, betone das historische Fundament der SPD stark. In der Vergangenheit sei es vorgekommen, dass Werner bei hitzigen Diskussionen das Wort ergriff und eine geschichtliche Einordnung vornahm. „Ich höre ihm gerne zu“, sagt Raed Saleh. Von älteren Menschen lerne er viel und er greife auch oft auf die Erfahrung von Älteren zurück.

Kind einer Arbeiterfamilie

Und die Erfahrung von Werner Ratajczak ist enorm: zwei Diktaturen hat er miterlebt, ein geteiltes Deutschland, die Wiedervereinigung. Mit 19 Jahren trat er in die SPD ein – drei Jahre nach Kriegsende. Seine Motive: „Nie wieder Krieg“ und soziale Gerechtigkeit. „Man muss immer das Soziale in den Vordergrund stellen und es auch umsetzen“, erklärt der 93-Jährige. Als Kind aus einer Arbeiterfamilie sei ihm das wichtig. Soziale Gerechtigkeit – auch ein Grund von Raed Saleh, warum er in die SPD eintrat: „Ich bin in einem Haushalt mit elf Personen groß geworden, unser Wohnraum war beengt.“

Raed Saleh und Werner RatajczakSPD Berlin/Sebastian Thomas
Teilen eine Leidenschaft: SPD-Landeschef Raed Saleh (l.) und Werner Ratajczak – der 93-Jährige ist seit 73 Jahren in der SPD.

Für seine Eltern war die SPD, die Partei der „kleinen Leute“. Die Erlebnisse seiner Kindheit seien die Ableitung seiner heutigen Politik: „In meiner Schulzeit gab es viele Kinder, die den anderen beim Essen zusehen mussten, heute haben wir das kostenlose Mittagessen für Kinder in der Grundschule.“ Werner Ratajczak und er sind sich einig: Dass es Menschen besser geht, ist die Aufgabe der Sozialdemokratie. Auch eine andere Sache verbindet sie: Nie wieder Krieg.

Werner Ratajczak – für Raed Saleh ein Vorbild

Werner Ratajczak leistete dabei einen persönlichen Beitrag zur Wiedergutmachung: Er sammelte über 15 Jahre lang Spenden für Frauen aus dem KZ Ravensbrück, die das Grauen der Gefangenschaft überlebt hatten. Raed Saleh gründete die Initiative für den Wiederaufbau der Berliner Synagoge am Fraenkelufer. „Wir trotzen den Nazis und bauen genau das wieder auf, was sie einst zerstört haben.“ Zum Schluss wendet er sich noch einmal direkt an Werner Ratajczak: „Ich wünsche dir Werner, dass du weiterhin Menschen begeisterst, denn du bist ein Vorbild – auch für mich.“

Autor:in

Sebastian Thomas

Redakteur der BERLINER STIMME, des vorwärtsBERLIN und des Berliner Stadtblatts