Wissenschaft, Forschung und Hochschulen

Die Koalition bekennt sich zu Berlin als Wissenschaftshauptstadt sowie als Wissenschafts- und Forschungsstandort von weltweiter Bedeutung und wird ihn in seiner Vielfalt und Strahlkraft weiterentwickeln. Wir stärken die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Gesellschaft und nutzen stärker wissenschaftliche Erkenntnisse, um die zentralen Herausforderungen der Zukunft unserer Stadt zu bewältigen.

Hochschulen sind Orte der Wissenschaft und Exzellenz sowie von Vordenker*innen für die sozial-ökologische Transformation unserer Stadt. Um ihre gesellschaftliche Rolle zu erfüllen, müssen sie auch als soziale, öffentliche und inklusive Orte gestaltet sein.

Berlin braucht hoch qualifizierte, kreative und junge Menschen, um den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit auch künftig entsprechen zu können. Wir werden das hohe Niveau von fast 200.000 Studierenden an staatlichen und privaten Hochschulen halten. Für die 170.000 Studierenden an staatlichen Hochschulen wird die Koalition die Gebührenfreiheit erhalten. Gegenüber dem Bund setzen wir uns für ein modernes, alters-, elternunabhängiges BAföG ohne Verschuldungskomponente ein.

Die Stärke der Berliner Wissenschafts- und Forschungslandschaft liegt in ihrer Vielfalt. Besonders die Kombination von Universitäten, außeruniversitären und freien Forschungseinrichtungen sowie der Forschungseinrichtungen der Wirtschaft macht die Wissenschaftshauptstadt Berlin innovativ und attraktiv. Sie ist zugleich Labor für Innovation und Nachhaltige Entwicklung.

Der Zugang von benachteiligten Gruppen, wie unter anderem von Kindern aus Nichtakademikerfamilien und Geflüchteten, an den Hochschulen soll verbessert werden, indem wir die Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten ausbauen und durch Programme und Kooperationen ergänzen, die zur Aufnahme eines Studiums motivieren. Die Koalition wird das Berliner Zulassungsrecht prüfen, so dass es sozial durchlässig und gendergerecht ausgestaltet wird und Hürden auf das fachlich unbedingt Notwendige beschränkt werden.

Wir wollen zudem das Orientierungsstudium weiterentwickeln. Hierüber soll auch internationalen Studierenden und Geflüchteten die Möglichkeit zum Erwerb notwendiger Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium durch gebührenfreie Angebote der Hochschulen geboten werden. Wir wollen die Unterstützungsleistungen der psychologischen Beratung und Sozialberatung der Hochschulen sowie des Studierendenwerks erweitern. Die Funktions- und Handlungsfähigkeit des Studierendenwerks werden wir durch den Landeszuschuss absichern.

Die Koalition will die Selbstbestimmung von Lehrenden und Studierenden unter anderem durch Verringerung der Prüfungslast stärken. Gute Lehre wollen wir mit einem Ausbau der hochschulischen Fort- und Weiterbildungen stützen, insbesondere den anhaltenden Erwerb fachdidaktischer Kompetenzen. Auch unterstützen wir die Weiterentwicklung und Implementierung digitaler und hybrider Lehr- und Prüfungsformate. Insbesondere beim Ausbau der dualen Studiengänge sollen asynchrone Lernformate angemessen angeboten und integriert werden, um ein zeitgemäßes Studieren unter Berücksichtigung der individuellen Lebensgestaltung zu ermöglichen.

Die Mitbestimmung der Studierenden und die Rolle der Kommissionen für Lehre und Studium wollen wir durch die verbindliche Wirkung ihrer Entscheidungen stärken. Wir unterstützen die bestehenden Professionalisierungsentwicklungen der Studierendenvertretungen.

Ein erfolgreicher Wissenschaftsstandort Berlin muss für leistungsstarke und kreative Wissenschaftler*innen attraktiv sein. Sie auszubilden und weiterzuentwickeln, zu gewinnen und zu halten ist von entscheidender Bedeutung.

Haushaltsfinanzierte, promovierte Wissenschaftler*innen in Mittelbau und Professorenschaft erhalten nach der zweiten Qualifikationsphase grundsätzlich eine Perspektive auf Entfristung, wenn sie sich in einem qualitätsgesicherten Verfahren bewähren. Die Koalition strebt an, frühzeitige Karriereperspektiven bei Berufungen über die Nutzung von Tenure-Tracks auszubauen.

Die Koalition unterstützt die Hochschulen darin, nachhaltige Personalstrukturen Department- bzw. Faculty-Strukturen mit flacheren Hierarchien und kooperativem Teilen der Ressourcen auf Ebene der Institute beziehungsweise. Fachbereiche zu entwickeln. Sie wird die Hochschulen bei der Umsetzung des Gesetzes zur Stärkung der Berliner Wissenschaft unterstützen und notwendige gesetzliche Präzisierungen vornehmen. Die Koalition modernisiert die Lehrverpflichtungen.

Die Koalition prüft die Einrichtung eines künstlerisch-wissenschaftlichen Promotionsrechts für Kunsthochschulen. Das „Forum Gute Arbeit“ an den Berliner Hochschulen wird für die Unterstützung des Strukturwandels und für die Vorbereitung und Umsetzung der Hochschulverträge weiterentwickelt. Die Professionalisierung des Wissenschaftsmanagements soll gefördert werden.

Es ist Ziel der Koalition, mindestens 50 Prozent aller Stellen und Funktionen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit Frauen zu besetzen und den Gender-Pay-Gap zu überwinden. Wir verstetigen das Berliner Chancengleichheitsprogramm. Außerdem entwickeln wir das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin weiter. Beides zusammen richten wir auf die Umsetzung der neuen Personalstrukturen aus. Wir wirken darauf hin, dass gender- und diversitysensible Inhalte als verbindlicher Bestandteil von Fort- und Weiterbildungen, insbesondere für die Lehrenden und Mitglieder von Auswahlkommissionen alle Statusgruppen betreffend, verankert werden.Die Koalition hat das Ziel, dass Ostdeutsche auch in der Wissenschaft angemessen repräsentiert sind und unterstützt ein entsprechendes Monitoring für evidenzbasierte Maßnahmen zur Verbesserung von Chancengerechtigkeit. Wir wollen weiterhin die Aufnahme und finanzielle Unterstützung geflüchteter Wissenschaftler*innen ermöglichen sowie geflüchtete Studierende im Rahmen des Gesamtkonzepts zur Integration und Partizipation unterstützen.

Ziel der Koalition ist es, die Versäulung der Wissenschaft weiter abzubauen und Kooperationen von Universitäten, Hochschulen für Angewandten Wissenschaften sowie der außeruniversitären Forschung und freien Instituten zu fördern. Die Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg werden wir über neue Kooperationen in den Bereichen der Forschung und Lehre voranbringen.

Wir wollen die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, unter anderem im Rahmen der Berlin-Queensland-Alliance zum Thema Digital Health oder der Oxford-Berlin Kooperation OXBER ausbauen, um die Attraktivität des Standortes für internationale Wissenschaftler*innen in allen Karrierestufen zu stärken.

Die vorhandenen Kompetenzen im Bereich der Klimaforschung in Berlin wollen wir zusammenführen und mit geeigneten lokalen, nationalen und internationalen Partner*innen verbinden, um ein weltweit führendes Zentrum entstehen zu lassen und gleichzeitig die einzigartigen Voraussetzungen der Modellregion Berlin-Brandenburg zu nutzen und die notwendigen Transformationsprozesse voranzutreiben. Die Koalition sichert die notwendigen Mittel für den Aufbau des Climate Change Centers für den endgültigen Haushalt zu. Lehre und Forschung zur Digitalisierung, der Anpassung an den Klimawandel und der Transformation der Energieversorgung sind wichtige Zukunftsthemen in diesem Bereich.

Forschung und Transfer an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) werden weiter ausgebaut. Der an den Berliner HAWen entstehende Mittelbau stärkt weiterhin die anwendungsnahe Forschung, indem sowohl Qualifizierungsstellen als auch unbefristete Dauerstellen geschaffen werden. Die Koalition unterstützt die Hochschulen, das Ziel von 0,25 Stellen pro Professur zu erreichen.

Wir werden die international renommierte Charité unterstützen und absichern, um bestmögliche Bedingungen in Forschung, Lehre und Versorgung zu bieten und die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern.

Die großen Investitionsmaßnahmen im Bereich Wissenschaft und Forschung werden in die Priorisierung bedeutender Berliner Hochbauvorhaben einordnen. Schwerpunkte der Weiterentwicklung liegen auf einem neuen Standort des Nationalen Centrums Tumorerkrankungen (NCT), der Errichtung des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC), der Evaluierung des Berlin Institut of Health (BIH) und dem Ausbau der Berlin School of Public Health. Wir wollendie Kooperation zwischen Charité und Vivantes in Forschung, Lehre, Digitalisierung, Ausbildung und Verwaltung weiterentwickeln und die Rolle der Universitätsmedizin zwischen Wissenschafts- und Gesundheitssystem stärken.

Die Berliner Universitäten haben ihre enorme Leistungsstärke als Verbund im Rahmen der Exzellenzstrategie eindrucksvoll bewiesen. Die Koalition wird die Kooperation der Berliner Universitäten und der Charité in der Berlin University Alliance (BUA) im Rahmen der Fortschreibung der Hochschulverträge weiter begleiten und unterstützen, um die Weiterentwicklung und Fortsetzung der Erfolge sicherzustellen und auch bei kommenden Auswahlrunden des Wettbewerbs wieder erfolgreich Forschungscluster einzuwerben.

Die Rolle der Einstein Stiftung in der und für die vielfältige Wissenschafts-Landschaft Berlin und die Erforschung von Zukunftsthemen in Berlin wird die Koalition beibehalten. Die Mittelverwendung der Stiftung wollen wir flexibler und kooperationsfähiger gestalten, sowie in besonderen Fällen weitere Mittel für neue Forschungszentren zur Verfügung stellen. Die Strategie der Matching-Funds und die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird fortgesetzt.

Die Koalition wird weiterhin in die Vielfalt der Wissenschaftshauptstadt investieren, Kooperationen im Forschungsraum Berlin-Brandenburg festigen und prüft die Ansiedlung weiterer Institute. Um die Synergien und Potenziale dieser Vielfalt noch besser zu heben, wollen wir Kooperationen und Vernetzungen inklusive Antrags-Kofinanzierung zwischen den verschiedenen Akteursgruppen in der vielfältigen Berliner Forschungslandschaft fördern. Damit sollen auch Möglichkeiten von Horizon Europe ausgeschöpft und internationale Gelder an den Wissenschaftsstandort Berlin geholt werden.

Die Koalition wird sich dafür einsetzen, dass Hochschulen, Industrieunternehmen und IT-Dienstleister in Innovationsnetzwerken noch besser vernetzt werden. Die Zusammenarbeit unterstützen wir durch Forschungskooperationen, Förderung von dualen Studiengängen und begleitete Abschlussarbeiten von Studierenden. Bestehende Barrieren für Ausgründungen, Transfer und Patentanmeldungen aus Hochschulen werden wir abbauen.

Die Koalition wird den intensiven Transfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ausbauen. Die Wissenschaftskommunikation wollen wir mit den Institutionen in der Wissenschaft und Forschung fortsetzen.

Die Koalition wird das Institut für Angewandte Forschung IFAF unterstützen und die Förderung verstetigen.

Wir prüfen die Unterstützung der Gründung einer Humanistischen Hochschule, auch um zusätzliche Fachkräfte im Bereich der sozialen Arbeit und Pädagogik auszubilden.

Die Koalition wird die sozial-ökologische Forschung in und für Berlin weiterhin durch das sozial-ökologische Forschungsprogramm, die Verstetigung der Förderung des Ecornet Forschungsverbundes Wissen.Wandel.Berlin und die Umsetzung des Wissenschafts-Forum der Zivilgesellschaft Berlin fördern. Um der besonderen Bedeutung der sozial-ökologischen Forschung für das Land Berlin gerecht zu werden, bauen wir die hierfür vorgesehenen Mittel aus.

Die Koalition unterstützt die weitere Einwerbung von Forschungsvorhaben und -verbünden:  Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD), Quantentechnologie, Nationalen Hochleistungsrechnen am Zuse Institut Berlin und Nationale Forschungsdateninfrastruktur, Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. Wir wollen die Voraussetzungen für gemeinsame Berufungen auch in Berlin schaffen.

Die Koalition wird das bewährte Instrument der Hochschulverträge weiterentwickeln und den Verhandlungsprozess auf der Grundlage des neuen Hochschulgesetzes transparenter gestalten. Dazu werden die Grundfinanzierung gestärkt, Fehlanreize bereinigt sowie Leistungskriterien angepasst. Die Koalition wird aus Landesmitteln die jährliche Steigerung der Hochschulvertragsmittel von mindestens 3,5 Prozent fortführen, um Preissteigerungen abzufangen sowie den Hochschulen Planungssicherheit zu bieten. Die Koalition will gute Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen und das Prinzip nachhaltige Hochschule zu durchgehenden Prinzipien der Hochschulfinanzierung ausbauen.

Wir wollen den Investitionsstau der Berliner Hochschulen bei Immobilien und Infrastruktur mittelfristig auflösen und dabei Nachhaltigkeit, Sanierung, Klimaneutralität und -resilienz, wie auch die Digitalisierung ins Zentrum stellen. Die Koalition wird dazu, unter Einbeziehung des 6-Punkte-Sofortplans des Berliner Senats, die Priorisierung der notwendigen Maßnahmen aller staatlichen Hochschulen vornehmen. 

Wir werden die Einwerbung von Fördermitteln nach Art. 91b GG unterstützen und eine Initiative auf Bundesebene starten, um den Bund paritätisch an etwaigen Kostensteigerungen zu beteiligen.

Zur Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung wollen wir unsere Hochschulen im Rahmen der Hochschulverträge unterstützen.

Wir stärken den Bereich der IT-Sicherheit durch die Besetzung der hauptamtlichen IT-Sicherheitsbeauftragten und die Einrichtung eines unabhängigen Forums dieser IT-Sicherheitsbeauftragten mit gemeinsamer Berichtspflicht an den Senat. Durch einen sozial ausgestatteten Digitalpakt, der den Bund mit einschließt, bauen wir Zugangs- und Nutzungshürden für Studierende ab. Zudem fördern wir den Zugang aller Mitglieder der Hochschulen zu digitalen Angeboten aller Bibliotheken.

Die Koalition will die bereits vereinbarte Anzahl von 2.000 Absolvent*innen im Lehramt durch Verbesserungen im Studium erreichen. Wir wollen eine präzisere Bedarfsprognostik für Lehrkräfte entwickeln und in die verbindliche Kapazitätsplanung einbeziehen. Darüber hinaus prüfen wir, ob eine verbindliche Bedarfsorientierung gesetzlich verankert werden kann.

Wir setzen die Fachkräfteoffensive fort und werden die Studienplatzkapazitäten bedarfsgerecht erhöhen und zusätzlich finanzieren, um die Fachkräftebedarfe auch in zehn Jahren strukturell zu sichern.

Das Sonderprogramm Beste (Lehrkräfte-)Bildung für Berlin wird verstetigt. Den Quereinstiegs-Master werden wir ausbauen. Die Koalition strebt zudem einen bundesweiten Staatsvertrag zur bedarfsgerechten Lehrkräfteausbildung an.

Die Koalition will weiter gezielt Ausbildungs- und Studienkapazitäten bereitstellen, um dem andauernden Fachkräftebedarf in den Berliner Verwaltungen, Betrieben der Daseinsvorsorge, Schulen und anderen pädagogischen, medizinischen und sozialen Feldern entgegenzutreten.

Als Grundlage für die Senkung von Studienabbrüchen wird eine Evaluation zum Studien- und Ausbildungsverlauf beauftragt. Zur Verbesserung der Qualität des Lehramtsstudiums, insbesondere der Erhöhung und Verbesserung professionsbezogener Angebote, reformieren wir das Lehrkräftebildungsgesetz und die Lehramtszugangsverordnung.

Zur Evaluation des aktuellen Lehramtsstudiums gehört auch, alternative Wege ins Lehramt offen zu diskutieren, frühe Praxisphasen und eine Reform bis hin zur optionalen Einführung des Bachelors of Education als erste Studienphase zu prüfen.

Die im Lehrkräftebildungsgesetz gegebene Möglichkeit, beim Grundschullehramt mit den Fächern Musik oder Kunst zwei statt drei Fächer zu studieren, wird die Koalition verstärkt nutzen. Wir prüfen die Kooperation mit Hochschulen für Angewandte Wissenschaften für die Ausbildung von Lehrkräften für berufliche Schulen.