Ellinor (l.) mit ihrer Mutter Ina Czyborra, stellvertretende Landesvorsitzende der SPD BerlinSPD Berlin/Sebastian Thomas

Mutter-Tochter-Gespräch: Generationenkonflikt ist eine Scheindebatte

Wenn sich Mutter und Tochter über den Generationenkonflikt unterhalten: Für Ina Czyborra und Ellinor Friederike Trenczek ist die Diskussion eine Scheindebatte, welche die wirklichen Konflikte der Gesellschaft verschleiere. Es geht um etwas anderes. Um was genau, erklären sie in ihren Kommentaren.

Ina Czyborra

Eigentlich geht es um Verteilungsgerechtigkeit und dabei mehr um Arm und Reich als Jung und Alt. In allen Generationen gibt es beides. Es gibt diejenigen mit bester Bildung und besten Aussichten auf ein reiches Erbe. Natürlich gibt es auch durch die Demografie Probleme. Wenn wir geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen und einmal pflegebedürftig werden, soll die jüngere Generation für gute Renten und gute Pflege sorgen.

Und weltweit sind junge Menschen auf der Suche nach Perspektiven. Durch falsche politische Entscheidungen, wie die Schwächung des solidarischen Rentensystems, können Generationenkonflikte erst geschaffen und verschärft werden. Die Generation meiner Kinder hat auf der einen Seite super Chancen. Gerade in Deutschland.

Aber sie machen sie sich berechtigt Sorgen, vor allem um Klima und Demokratie. Dafür brauchen sie mehr politisches Gewicht zum Beispiel durch das Wahlalter 16. Weltweit sehen die Jungen gerade, wie durch eine vernagelte und rückwärtsgewandte Politik ihre Chancen auf einem gesunden Planeten und in Frieden und Wohlstand zu leben zerstört werden. Dabei brauchen sie unsere Solidarität.

Ellinor Friedericke Trenczek

Ich glaube nicht, dass es einen Generationenkonflikt in dem Sinne gibt, verstehe aber, woher diese Debatte kommt. Sie geht von einer Ignoranz gegenüber der Probleme der jeweiligen Generation aus und fällt dabei ein Kollektivurteil über eine ganze Altersgruppe. Dies geschieht in beide Richtungen und ist schlicht Altersdiskriminierung.

Es ist aber keineswegs so, dass allen älteren Menschen Fragen von Klima und Perspektiven egal sind oder allen Jüngeren, zum Beispiel Pflege und Rente. Statt diese Themen als Aufgaben der scheinbar betroffenen Generation zu verhandeln, braucht es ganz im Gegenteil die Perspektiven aller, Erfahrungen, neue Blickwinkel.

Denn Erfahrung ist keine Frage des Alters. Stattdessen braucht es ein gegenseitiges Verständnis für Standpunkte und Notlagen und vor allem einen kontinuierlichen Dialog. Die Konfliktlinien verlaufen aber an anderer Stelle, nicht entlang des Alters, sondern entlang von Klasse, Herkunft und Lokalität, Geschlecht, entlang der Frage von Zugängen und der Verwehrung dieser. Hier liegen die eigentlichen Probleme, die wir als Gesellschaft und Politik angehen müssen.

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Autor:in

Ina Czyborra

Stellvertretende Landesvorsitzende

Ina Czyborra ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, stellvertretende Vorsitzende der SPD Berlin und Landesvorsitzende der AWO Berlin.

Ina Czyborra